Streets of Egypt – Auf der Straße in Assuan


Nur einen Vormittag habe ich Zeit, die Straßen von Assuan abseits der touristisch entwickelten Nil-Promenade zu erkunden. Um in die Viertel zu gelangen, in denen der normale Ägypter wohnt, muss man nur 300 Meter stadteinwärts gehen.

Ich schlendere zuerst eine Weile am Nil entlang und biege dann über die El Sadat Road nach links ein, vorbei an der Erzengel-Michael-Kathedrale der Kopten. Jetzt nervt auch kein auf Touristen spezialisierter Kleinunternehmer mehr. Ich schaue einem älteren traditionell gekleideten Herrn in die Augen, der mir entgegenkommt. Er nickt freundlich, ich nicke zurück. Niemand will mir hier etwas verkaufen. Sehr angenehm. Ich biege in eine Straße namens „Baria“ ein und lasse einen Freizeitpark rechts liegen, bei dem man sich nicht sicher ist, ob er schon jemals bessere Zeiten gesehen hat. Nach ein paar Metern sieht die Straße aus, als ob man sich in einem Kriegsgebiet befindet. Müllcontainer sind allenthalben umgekippt und brennen aus. Nichts Besonderes. Das ist die übliche Art der Müllbeseitigung in der dritten Welt.

Ich laufe auf einen Hügel zu, der unregelmäßig mit Steinkisten bebaut ist. Nur wenige Fenster zeigen, dass hier Menschen wohnen. Die Häuser sind meist sandfarben gestrichen, wenn sie überhaupt einen Putz erhalten haben. Anders als die Nubier auf der westlichen Nil-Seite, die ihre Häuser gerne leuchtend blau streichen, hält der Araber wenig davon, sein Haus nach außen hin attraktiv zu gestalten. Abseits der asphaltierten Straße ist der Boden nirgends von Pflaster oder ähnlichem versiegelt. Nur der schlichte steinige und von Müll bedeckte Wüstenboden blickt hervor.

Gelegentlich trifft man auf abgestellte Kutschen, mit denen normalerweise Touristen befördert werden. Auch dazugehörige Pferde finden sich an der Straße und fressen Hafer aus ihrer Schüssel. Nach einiger Zeit biege ich auf eine Hauptstraße ein, die einen geschäftsmäßigeren Eindruck macht. Es gibt Cafés und jede Menge Essen an der Straße zu kaufen. Sie führt mich nördlich bis zur Qubbet el-Hawa Moschee. Aber die Zeit wird knapp und die Mittagszeit naht. Im Sommer wird es in Assuan mehr als 40 Grad Celsius heiß. Die mitgenommene Wasserflasche ist bereits leer getrunken und mein Hemd ist durchgeschwitzt. Ich raste in einem Teehaus auf dem Basar der Einheimischen, bevor ich zurück zur Schiffsanlegestelle gehe. Bester Tee den ich je getrunken habe…

 


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