Faces of Egypt – Teil 2


Im ersten Teil habe ich Jungs und Frauen portraitiert. Jetzt möchte ich noch die Hauptverdiener in der Familie vorstellen:

 

Das Familienoberhaupt

Reiseleiter Abdullah

Das hier ist der deutsch-sprachige Reiseführer – Abdullah. Er war als Offizier bei der Armee, ist studierter Ägyptologe und hat sich bei Ausgrabungen in der Nähe von Kairo hauptsächlich als Medienkoordinator einen Namen gemacht. Er sagt, die 9,5 Millionen-Einwohner-Stadt Kairo sei auf Dauer eine Zumutung. Deshalb sei er in seine Heimatstadt Luxor zurückgekehrt. Wir unterhalten uns über die aktuelle politische Situation in Ägypten. Immerhin sind wir gerade in einer Militärdiktatur zu Gast, die 2013 gegen die erste demokratisch gewählte Regierung geputscht hat. Abdullah sieht das nicht so tragisch: „Das Militär ist immer auf der Seite des Volkes“, sagt er. Nach den Massenprotesten im „Arabischen Frühling“ 2011 hat es den autokratischen Mubarak zum Rücktritt gedrängt. 2013 den frisch gewählten Präsidenten und Muslimbruder Mursi aus dem Amt gejagt. „Mursi war schlecht für Ägyten“, sagt Abdullah. Er habe sofort angefangen, Vorteile für sich und eine kleine Elite aus dem Amt zu ziehen. Zudem stiegen die Preise stark an und das sei größtenteils das einzige, was den Ägypter auf der Straße interessiere. Was kostet das täglich Brot.

 

Ein Wort noch zu dem älteren Herrn, der im Schatten der Palme neben seiner Pump-Gun sitzt. Ich hätte diesen Usus eher in Jemen verortet, aber auch in Ägypten ist das an der Straße immer noch keine Seltenheit. Als Ehrenzeichen trägt das emiritierte Familienoberhaupt in der arabischen Welt schon seit Jahrtausenden eine Waffe mit sich. In der Vergangenheit waren dies oft wertvolle Krummdolche, die aber nur noch bei Festlichkeiten üblich sind. Im Alltag führt man besser eine moderne Pump-Gun oder zumindest ein altes Armee-Gewehr mit sich. Und warum auch nicht? In einem Land, in dem auf alle fünf Straßenkilometer ein mit Türmen und Schießscharten befestigter Armeeposten kommt, muss man sich wehrhaft zeigen. Wüstenstraßen, die ab zwei Uhr nachmittags für den Verkehr gesperrt werden, weil sie dann nicht mehr bewacht werden, tun ihr Übriges.

 

 

Der Händler

All jene, die sich im wieder erstarkenden Tourismus-Geschäft als Selbständiger verdingen, gehen meist einer Tätigkeit nach, die besonders stark mit dem Orient identifiziert wird: dem Handel. Diebstahl ist wie überall nicht gern gesehen, Touristen mit psychologischen Tricks beim Einkaufen zu übervorteilen schon eher. Besonders beeindruckt haben mich die „Handtuch-Piraten“. Mit Muskelkräften rudern sie an ein vorbeifahrendes Nilschiff heran und vertäuen ihr Boot im richtigen Augenblick am Schiff. Mit hoher Geschwindigkeit werden sie vom Nilkreuzer jetzt mitgezogen und können dabei ihre Handtücher verkaufen. Ein mutiges Geschäftsmodell wenn man bedenkt, dass es an Bord freie Handtücher ohne Ende gibt. Wer in der späten Nacht sein Kabinenfenster öffnet, wird von unten immer noch mit einem freundlichen „Hello“ begrüsst und auf neueste Ware aufmerksam gemacht.

 


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